Was ist die „große Kündigungswelle“ und wie können Sie ihr Unternehmen davor schützen?

Anika Wegner
von ANIKA WEGNER
Collage mit einer Büroangestellten, die ihren Kopf gegen eine Wand lehnt, als Symbol für die große Kündigungswelle.

22. November 2022

In diesem Blogpost befassen wir uns mit den wichtigsten Ursachen für die große Kündigungswelle. Außerdem stellen wir fünf Strategien vor, mit denen Sie Ihr Unternehmen schützen und die Mitarbeiterbindung stärken können.

Gegen Ende 2021 erreichte die Zahl der Menschen, die ihren Arbeitsplatz freiwillig aufgaben, einen Rekordwert: im November haben allein in den USA 4,5 Millionen Menschen gekündigt. Dieser „Massenexodus“ wird auch als „große Kündigungswelle“ bezeichnet. Die daraus folgenden Auswirkungen sind noch immer zu spüren.

Wenn Sie noch nicht darüber nachgedacht haben, wie Sie Ihr Unternehmen vor der großen Kündigungswelle und ähnlichen Trends schützen können, ist es höchste Zeit. Lesen Sie weiter, um mehr über die große Kündigungswelle zu erfahren sowie darüber, was Sie als Arbeitgebender dagegen tun können.

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Was ist die große Kündigungswelle und was sind die Ursachen?

Der Begriff „große Kündigungswelle“ (oder The Great Resignation auf Englisch) bezeichnet die anhaltende Rekordzahl an Kündigungen von Mitarbeitenden. Der Trend, der manchmal auch mit den englischen Begriffen „Big Quit“ oder „Great Reshuffle“ bezeichnet wird, begann Anfang 2021 während der Covid-19-Pandemie und hat auch heute noch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.

Während der Pandemie und der ersten Lockdowns herrschte große Unsicherheit. Für viele Mitarbeitende war das auch Anlass, ernsthaft darüber nachzudenken und neu zu bewerten, was ihnen wichtig ist. Einige wurden während der Pandemie auf der Arbeit viel mehr gefordert als vorher, und andere wiederum, hatten im Homeoffice plötzlich viel mehr Flexibilität. 

Als sich die Welt langsam wieder zu öffnen begann, haben daher viele Menschen beschlossen, Jobs zu kündigen, mit denen sie unzufrieden waren, und stattdessen nach etwas zu suchen, das besser mit ihren Werten übereinstimmt. Bis Ende 2021 haben über 47 Millionen Menschen in den USA  ihr Unternehmen verlassen. 

Doch die große Kündigungswelle ist noch lange nicht vorbei. 2022 kündigen jeden Monat durchschnittlich 4 Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz und etwa 40 Prozent der Mitarbeitenden erwägen, ihr Unternehmen in den nächsten 3-6 Monaten zu verlassen. 


Was ist die Ursache für die große Kündigungswelle?

Letztlich geht es bei der großen Kündigungswelle darum, dass viele Menschen erkannt haben, dass sie in ihrem Job nicht glücklich sind. Anstatt aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheit im Unternehmen zu bleiben, wechseln sie zu anderen Stellen, Firmen oder Branchen. 

Untersuchungen zufolge gibt es einige Hauptursachen für die große Kündigungswelle. Im Jahr 2021 waren die meistgenannten Gründe für eine Kündigung:

  • Niedrige Löhne
  • Fehlende Aufstiegsmöglichkeiten
  • Das Gefühl, am Arbeitsplatz nicht respektiert zu werden
  • Mangelnde Flexibilität
  • Unzureichende Benefits

Das bisherige Gleichgewicht hat sich damit geändert: Mitarbeitende wollen keine Arbeitsbedingungen mehr hinnehmen, die sie als unbefriedigend empfinden oder die nicht mit ihren persönlichen Werten übereinstimmen. Die Zahl der offenen Stellen ist so hoch wie nie zuvor, und Arbeitnehmende machen das Beste daraus. 

Arbeitgebende hingegen müssen ihre Strategien zur Mitarbeiterbindung überdenken und sich ehrlich fragen: Ist mein Unternehmen ein guter Arbeitsplatz?


Was können Sie also tun, um sicherzustellen, dass die Antwort ein klares Ja ist? Schauen wir uns das mal im nächsten Punkt genauer an. 

2 Mitarbeitende arbeiten in einem Büro mit moderner Ausstattung und grünen Pflanzen.

 

Der großen Kündigungswelle entkommen: 5 Strategien, mit denen Sie Ihr Unternehmen schützen 

Um sich vor den Folgen der großen Kündigungswelle zu schützen, müssen Sie für einen attraktiven Arbeitsplatz sorgen, der den neuen Anforderungen der Arbeitnehmenden von heute gerecht wird. Mit diesen fünf Maßnahmen können Sie die Mitarbeiterbindung stärken.


1. Fokus auf Wellness, Wohlbefinden und psychische Gesundheit

Angesichts der Tatsache, dass Burnouts immer häufiger werden und immer mehr Menschen über Angstzustände und Depressionen berichten, müssen Unternehmen sich mehr denn je auf die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden konzentrieren. 

Gleichzeitig geben 65 Prozent der Arbeitnehmenden an, dass sich ihre Einstellung zum Thema Wellness seit der Pandemie geändert hat und sie nun mehr Unterstützung von ihren Arbeitgebenden in dieser Hinsicht erwarten. Wellness ist also ein entscheidender Faktor für die Zufriedenheit und Bindung der Mitarbeitenden.

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um der psychischen Gesundheit und dem Wohlbefinden in Ihrem Unternehmen mehr Gewicht zu verleihen, z. B. indem Sie Ihren Mitarbeitenden helfen, eine gesunde Work-Life-Balance zu finden. Sie können zum Beispiel Zugang zu Ressourcen für psychische Gesundheit anbieten und auf der Führungsebene positive Verhaltensweisen vorleben. 

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In einem weiteren Leitfaden erfahren Sie mehr darüber, wie Sie die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz fördern.



2. Bieten Sie mehr Flexibilität (und überarbeiten Sie Ihre Richtlinie für Tele-Arbeit)

Wie wir gesehen haben, ist einer der Hauptkündigungsgründe mangelnde Flexibilität. Wenn Sie also Ihr Unternehmen vor der großen Kündigungswelle schützen wollen, müssen Sie das Thema Flexibilität ernst nehmen. 

Daher sollte Sie sich folgende Fragen stellen: Bieten Sie genug Flexibilität, oder gibt es noch Raum für Verbesserungen? 

Studien
haben gezeigt, dass nur einer von fünf Mitarbeitenden im Wissenssektor Vollzeit im Büro arbeiten möchte, aber 35 Prozent genau das tun. 55 Prozent gaben an, dass sie lieber zumindest zeitweise flexibel arbeiten würden. 

Sprechen Sie mit Ihren Mitarbeitenden (oder führen Sie eine anonyme Umfrage durch), um herauszufinden, welche flexiblen Arbeitsbedingungen sie sich wünschen – und tun Sie Ihr Bestes, um ihre Wünsche zu erfüllen. 

Wenn Sie bereits vollständig dezentral arbeiten oder so flexibel wie möglich sind, sollten Sie sicherstellen, dass Ihre Mitarbeitenden alles haben, was sie brauchen, um in einer dezentralen/hybriden Umgebung erfolgreich zu sein.


3. Förderung der beruflichen Entwicklung von Mitarbeitenden

Das bringt uns zu einem weiteren wichtigen Grund für die große Kündigungswelle: fehlende Aufstiegsmöglichkeiten. 

Eine LinkedIn-Studie hat ergeben, dass 94 Prozent der Arbeitnehmenden eher bei einem Unternehmen bleiben, das in ihre Weiterbildung und Entwicklung investiert – ein entscheidender Faktor für eine starke Mitarbeiterbindung, wenn man es richtig anstellt.

Und nicht nur das: 93 Prozent der CEOs, die Weiterbildungsmaßnahmen eingeführt haben, geben an, dass sie eine Produktivitätssteigerung verzeichnen konnten. Laut der Association for Talent Development kostet die Weiterqualifizierung eines bestehenden Mitarbeitenden 1.300 Dollar, verglichen mit 4.425 Dollar für die durchschnittlichen Kosten einer Neueinstellung.

Fortbildung, Umschulung und Entwicklung der Mitarbeitenden sind in jeder Hinsicht sinnvoll. Nehmen Sie sich die Zeit, die Karriereziele der einzelnen Mitarbeitenden zu verstehen, und finden Sie Möglichkeiten, Sie auf dem Weg dorthin zu unterstützen. So werden Ihre Mitarbeitenden sehen, dass Sie in ihre Entwicklung investieren, wovon wiederum auch Sie profitieren.

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Erfahren Sie mehr in diesem Ratgeber: Mitarbeiterentwicklung 2.0: Die neue Art der Weiterbildung 



4. Verbessern Sie Ihre Mitarbeiter-Benefits

Für viele Menschen spielen Mitarbeiter-Benefits eine entscheidende Rolle bei der Wahl von Jobs und Unternehmen. Die Benefits, die Sie anbieten, prägen nicht nur Ihre Unternehmenskultur, sondern wirken sich auch auf die Lebensqualität der Mitarbeitenden außerhalb der Arbeit aus. 

Zu den aktuell beliebtesten Mitarbeiter-Benefits gehören freie Tage während der Wechseljahre, hybrides Arbeiten, subventionierte Mitgliedschaften in Fitnessstudios und bezahlte Krankheitstage. Mitarbeitende schätzen auch eine betriebliche Altersvorsorge, Krankenversicherungszuschüsse, eine private zahnärztliche Versorgung und bezahlte Tage für die Selbstfürsorge/psychische Gesundheit. 

Achten Sie darauf, welche Mitarbeiter-Benefits gerade im Trend liegen. Letztlich sollten Sie aber mit Ihren eigenen Mitarbeitenden sprechen und herausfinden, welche sie am meisten schätzen würden. 

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In Episode 14 unseres Podcasts besprechen wir, worauf bei der Wahl der Mitarbeiter-Benefits geachtet werden sollte und wie damit die Mitarbeiterzufriedenheit gesteigert wird. Jetzt reinhören:



5. Schaffung einer psychologisch sicheren Unternehmenskultur

Der drittwichtigste Grund für Kündigungen im Jahr 2021 war das Gefühl, am Arbeitsplatz nicht respektiert zu werden (Pew Research). Selbst wenn Sie in Ihrem eigenen Unternehmen keine derartigen Probleme feststellen, ist es wichtig, eine Bestandsaufnahme Ihrer Unternehmenskultur vorzunehmen. Fördern Sie aktiv ein Umfeld, das von psychologischer Sicherheit und Respekt geprägt ist? 

Psychologische Sicherheit bedeutet, dass sich Ihre Mitarbeitenden wohl fühlen, wenn sie ihre Meinung sagen, ihre Ideen kommunizieren, Fehler machen und Probleme und Bedenken äußern können, ohne Angst zu haben, bestraft oder gedemütigt zu werden. Sie fördert den gegenseitigen Respekt und erlaubt es den Mitarbeitenden, sie selbst zu sein und sich letztendlich am Arbeitsplatz sicher zu fühlen. 

Psychologische Sicherheit verbessert nicht nur die Teamleistung. Sie fördert auch nachweislich die Mitarbeiterbindung. Während der großen Kündigungswelle und darüber hinaus ist das ein doppelter Gewinn.

💡 Mehr zum Thema
In einem weiteren Leitfaden zeigen wir Ihnen, wie Sie psychologische Sicherheit am Arbeitsplatz schaffen



Sie können die große Kündigungswelle nicht komplett vermeiden. Aber mit diesen fünf Schritten können Sie sicherstellen, dass Ihr Unternehmen attraktiv für glückliche und leistungsstarke Mitarbeitende ist – und bleibt.

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Anika Wegner, B2B Blog Editor

 

Sprache als Zugang zu anderen Kulturen ist ein Thema, das Anika sehr am Herzen liegt. Deshalb schreibt sie bei Babbel über Themen, wie Unternehmen von Sprachlernlösungen profitieren können.

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