Warum New Work plötzlich so relevant wurde 

Warum New Work plötzlich so relevant wurde – Babbel für Unternehmen

New Work ist kein gänzlich neues Konzept und doch der Mega-Trend der letzten Jahre. Doch wie ist es entstanden? Warum ist es heute relevanter als je zuvor? Und vor allem: Wie können Unternehmen die neue Art des Arbeitens erfolgreich für sich nutzen? Wir erklären, welche Unternehmensbereiche es betrifft und welche Lösungsansätze und Methoden es für die Modernisierungsmaßnahmen gibt. 

Was ist New Work? Die Definition des Konzepts

Mit „New Work“ ist eine neue Art des Arbeitens gemeint, die vom amerikanisch-österreichischen Philosophen und Soziologen Frithjof Bergmann entwickelt wurde. Heute ist New Work ein etablierter Begriff, um neue Arbeitsformen und neue Werte in der Arbeitswelt zu erfassen. In vielen Unternehmen ist das Konzept bereits gelebte Praxis. Im Kern geht es dabei um die Voraussetzungen, die nötig sind, damit Menschen ihre Arbeit nicht nur als Notwendigkeit empfinden, sondern sie als sinnstiftend erleben. 

Die Entstehungsgeschichte von New Work

Seine ersten philosophischen Arbeiten veröffentlichte Frithjof Bergmann bereits in den 1960er Jahren. Ein Jahrzehnt später begann er der Frage nachzugehen, was Menschen brauchen, um sich frei zu fühlen. Individuelle Freiheit lag für ihn nicht darin, äußere Begrenzungen zu überwinden, die beispielsweise aus den Bildungssystemen, den Familien und gesellschaftlichen Anforderungen resultieren. Aus seiner Perspektive kann Freiheit nur aus Selbstbestimmung und persönlicher Identifikation heraus entstehen. Diese These übertrug Bergmann auch auf die Arbeitswelt. 

Vor dem Hintergrund des Niedergangs der US-amerikanischen Autoindustrie und anderer klassischer Industrien versuchte er, die Anforderungen an Arbeit sowie an die Kultur von Unternehmen unter den Bedingungen des Übergangs von der Industrie- zur Wissensgesellschaft zu erfassen. Gleichzeitig untersuchte er nicht nur den Kapitalismus, sondern auch den Kommunismus und stellte fest, dass freie Arbeitsweise in beiden Systemen kaum möglich war. Stattdessen wurde die Arbeit meist stark fremdbestimmt. 

Erstmals diskutiert wurde sein Konzept von New Work in den frühen 1980er Jahren. Im Jahr 1984 gründete Bergmann schließlich sein erstes New Work Center. Heute agieren diese Zentren im Rahmen eines globalen Netzwerks. Für Bergmann selbst wurden New Work sowie New Culture zu einem Lebensthema, zu dem er bis heute arbeitet und publiziert.

Frithjof Bergmanns Thesen von New Work

Ausgangspunkt des New-Work-Konzepts war Bergmanns These, dass das alte Jobsystem am Ende sei. Die Arbeit in den Strukturen der klassischen Industriegesellschaft machte Menschen in hohem Maße unfrei, zudem erwiesen sich die traditionellen Produktions- und Arbeitsformen schon in den 1980er Jahren als kaum noch zukunftsfähig. Automatisierung und Digitalisierung ermöglichen es, diese Strukturen unter dem Aspekt der Sinnstiftung zu hinterfragen. Vor diesem Hintergrund stellte Bergmann einige einfache, für die damalige Zeit jedoch höchst provokante Thesen auf: 

  1. New Work ist ein individueller und sozialer Aufstand, der eng mit der Nutzung smarter Technologien verbunden ist.
  2. Dieses Konzept ist auf Selbstbestimmung, Sinn und Nachhaltigkeit ausgerichtet.
  3. New Work ist ein längerer Prozess, der auf der Grundlage eines kulturellen Wandels vor sich geht. Menschen sollen ihre Persönlichkeit in ihre Arbeit einbringen und sich durch ihre Arbeit selbst verwirklichen können.

New Work


Neue Arbeit, neue Werte: Warum New Work heute relevanter ist als je zuvor

Der Grund für die heutige Relevanz von New Work ist, dass die Digitalisierung unseren Arbeitsalltag verändert. So ist die traditionelle Lohnarbeit ein Auslaufmodell, dass durch neue Technologien – Künstliche Intelligenz, Machine Learning und den damit verbundenen Trend zur Industrie 4.0 – ersetzt wird. Auch starre örtliche, zeitliche und inhaltliche Fixierung ist nicht mehr zeitgemäß und die meisten Routinetätigkeiten sowie viele komplexe Arbeitsprozesse können bereits von Maschinen übernommen werden. 

Somit passen die Arbeitsmodelle der Industriegesellschaft nicht mehr zu dieser zunehmend digitalisierten Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft. Eine neue Arbeitsgestaltung wird immer wichtiger und die kreative Potenzialentfaltung des einzelnen zu einer zentralen Anforderung an die Arbeit. Angelehnt an das Konzept von Bergmann gewinnen dabei folgende Werte an einer ganz neuen Relevanz:

  • Selbstständigkeit
  • Teilhabe an der Gemeinschaft 
  • individuelle Handlungsfreiheit

Vorteile für Mitarbeitende

New Work stellt den Menschen, seine Entwicklung und seine Freiheit in den Mittelpunkt. Mit Entscheidungsfreiräumen, Entfaltungsmöglichkeiten und einer stärkeren Partizipation bietet das Konzept eine Reihe von Vorteilen, die Mitarbeitenden heute wichtiger denn je ist. Gleichzeitig erlaubt New Work durch dezentrales Arbeiten und flexible Arbeitsbedingungen eine bessere Vereinbarkeit von Familien und Beruf.

Vorteile für Unternehmen

Doch auch die Unternehmen profitieren stark von einer gelungenen Umsetzung des Konzepts. Zum einen, weil glückliche Mitarbeitende stärker an das Unternehmen gebunden und motivierter sind: Dieses Employer Branding hat wiederum geringere Fluktuation und höhere Produktivität zur Folge. Zum anderen bildet New Work eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Digitalisierung und damit auch in Zukunft einen enorm wichtigen Wettbewerbsvorteil. 

New Work Kultur


New Work im Unternehmen einsetzen

Die Vorteile von New Work machen es für Unternehmen so wichtig, sich auf der Führungs- und HR-Ebene mit dem Konzept auseinanderzusetzen. Gleichzeitig handelt es sich hier nicht um starre Strukturen, die nach Lehrbuch eins zu eins übernommen werden können. Stattdessen sind es verschiedene Bereiche, die neu gestaltet werden können: angefangen von Organisationsformen über Führung und Struktur bis hin zur Arbeitsplatzgestaltung. Für Unternehmen bedeutet es vor allem, Strategien zur Umsetzung zu identifizieren, die am besten zu ihnen passen. Dabei finden folgende Aspekte im Rahmen von New Work besonders häufig Beachtung.

Organisationsformen

Ein zentraler Punkt bei New Work stellt der Abbau der klassischen strengen Hierarchien dar. Hier geht es um grundlegende Veränderungen des Managements und der Organisationsformen, die es ermöglichen, alle Mitarbeitenden an Entscheidungen zu beteiligen. Ein mögliches Konzept hierfür ist „Holacracy“, auch als „ganzheitliche Führung“ bekannt, welche die Top-down-Strukturen weglässt, die Autorität der Führungspositionen auf Teammitglieder verteilt und die Transparenz erhöht. Damit bietet das Konzept ganz im Sinne von New Work mehr Freiheit und Selbstbestimmung für die Mitarbeitenden. Doch auch das Unternehmen profitiert bei der richtigen Umsetzung von zahlreichen Vorteilen. Zum einen steigert Holacracy die Innovationskraft und unterstützt effizientes und agiles Arbeiten. Zum anderen reduziert es den Koordinationsaufwand und entlastet das Management.

Führung

Mit der Auflösung starrer Organisationsformen werden auch die Führungspositionen neu definiert. Die Führungskraft nach New-Work-Ansatz unterscheidet sich von der klassischen Kontroll- und Weisungsinstanz. Vielmehr versteht sie sich vor allem als Digital Leader, der Mitarbeitenden Raum für freie Gestaltung und neue Ideen bietet, sie bei der Vernetzung und beim eigenverantwortlichen Handeln unterstützt und als Coach und Moderator fungiert. Auch Vertrauen und Empathie gehören zu den Eigenschaften einer modernen Führungskraft, die auf Augenhöhe mit ihren Mitarbeitenden kommuniziert. Befähigen statt führen heißt hier die Devise, die Mitarbeitenden mehr Möglichkeiten der Weiterentwicklung bietet und einen gezielteren Einsatz ihrer Fähigkeiten ermöglicht. 

Strukturen

Die Unternehmensstrukturen werden im Rahmen des New-Work-Konzepts neu gedacht. Um Unternehmensziele besonders effizient zu erreichen, wird hierbei zum Beispiel auf interdisziplinäre Projektarbeit in gemischten Teams gesetzt. Gegenüber starren Silos in Form von Abteilungen hat dieses Vorgehen den Vorteil, dass es Bildung von Netzwerken erlaubt. In diesen Netzwerken kommen Personen mit verschiedenen Backgrounds und den größten Kompetenzen in ihrem Bereich zusammenbringen: eine ideale Voraussetzung für erfolgreiche Projektumsetzung.

Arbeitsmethoden

Um die neue Arbeitsweise zu unterstützen, ist der Einsatz moderner Organisationstools gefragt: wie die Scrum-Methode, die Projektarbeit und agiles Arbeiten unterstützt. Sie gibt lediglich den Rahmen zur Projektarbeit vor, nicht aber den Prozess, den die Mitarbeitende selbst definieren. Zu den Vorteilen zählen vor allem hohe Flexibilität und Effektivität durch Selbstorganisation, Transparenz und kurze Kommunikationswege.

Weiterbildung und Lernen 

Neu ist ebenfalls die Art des Lernens. Auch hier sieht New Work mehr Flexibilität bei Denkmustern vor. Flexible interdisziplinäre Projekte statt starr organisierter Abteilungen ermöglichen eine neue Art des Wissenstransfers und des kollaborativen Arbeitens und zahlen langfristig mehr auf die Unternehmensziele ein. Auch hier heißt es: geschlossene Silos aufzubrechen und aktiven Wissenstransfer zwischen den Mitarbeitenden zu fördern. Dieser kann ganz unterschiedlich aussehen. Ob digitale Workshops, gezielte Coachings oder Methoden, die eine Vernetzungskompetenz fördern wie WOL oder Peer Learning: Die neuen Lernformen sollen das neue Verständnis der Arbeitsorganisation sinnvoll ergänzen. 

Flexible Arbeitszeiten

Arbeit von 9 bis 17 Uhr? Eine typische 40-Stunden-Woche? Konzepte, die nicht mehr zeitgemäß sind und somit nicht für alle Mitarbeitende infrage kommen. Die Möglichkeiten einer Teilzeit-Einstellung oder des Jobs-Sharings, bei dem eine Vollzeitstelle geteilt wird, wird dagegen wichtiger. Immer häufiger findet sie sogar bei Führungspositionen Anwendung: Führungstandems in Teilzeit ergänzen die veraltete Vorstellung von 60-Stunden-Wochen bei Top-Managern. Auch Gleitzeit und Vertrauenszeit spielen über alle Positionen hinweg eine immer größere Rolle und ermöglichen eine bessere Work-Life-Balance sowie eine höhere Motivation seitens der Mitarbeitenden. 

Flexible Arbeitsorte

Doch nicht nur zeitliche Flexibilität ist gefragt. Auch der Arbeitsort muss nicht mehr zwangsweise dem Unternehmenssitz entsprechen. Homeoffice, Mobile Work und Remote Work werden immer öfter praktiziert und haben insbesondere in Folge der Corona-Pandemie ein neues Level an Akzeptanz und Verbreitung erreicht. Für Mitarbeitende  kann die Ortsflexibilität eine bessere Work-Life-Balance bieten. Für Unternehmen erhöht sie die Möglichkeit, einen geeigneten Experten zu finden und senkt gleichzeitig die Raumkosten für stationäre Büros.

Arbeitsplatzgestaltung und Bürokonzepte

Nicht zuletzt geht es bei New Work auch um neue Konzepte der Raumgestaltung. Hierbei geht es weniger um den berüchtigten Kicker. Es geht vor allem darum, eine Umgebung zu schaffen, die gerade benötigt wird: ruhige Räume für konzentriertes Arbeiten, flexible Work Spaces für Austausch und Kreativität, Meetingräume und Telefonboxen für ungestörte Gespräche und digitale Treffen. Die Auflösung fester Arbeitsplätze und Übergang zur flexiblen Platzwahl (Desk Sharing) unterstützt die Möglichkeit, Remote Work und Büroanwesenheit zu vereinbaren. Zudem spart es Kosten ein, die bei leerstehenden Arbeitsplätzen entstehen würden. Gleichzeitig sollten diese Arbeitsplätze so gestaltet sein, dass sie die Arbeit erleichtern. Ob verstellbare Tische, technische Ausstattung oder Software, die auf die neuen Arbeitsbedingungen abgestimmt ist: Flexibles und selbstbestimmtes Arbeiten hat viele Aspekte, die nicht unterschätzt werden sollten. 

New Work Büro


Voraussetzungen von New Work 

Sowohl Unternehmen als auch Mitarbeitende können von den neuen Arbeitsformen profitieren. Damit der theoretische New-Work-Ansatz auch in der Praxis funktioniert, bedarf es aber der Akzeptanz aller Beteiligten. Gleichzeitig muss auch Politik für die nötigen Rahmenbedingungen sorgen.

Das Unternehmen als Identitätsstifter 

Damit New Work praktizierbar ist, müssen Unternehmen eine neue Kultur entwickeln. Traditionelle Betriebe agieren gegenüber ihren Mitarbeitenden oft immer noch lediglich als Arbeitgeber. Bei der Organisation von Arbeit spielen Hierarchien und Weisungsrechte eine zentrale Rolle. 

Ein Unternehmen, das traditionelle Arbeitsformen durch New Work ersetzen will, muss sich als Identitätsstifter verstehen, der in der Lage ist, Mitarbeitende auch emotional zu binden und ein Arbeitsumfeld zu erzeugen, das Eigenständigkeit, Vernetzung und intrinsische Motivation ermöglicht. Voraussetzungen dafür sind neben strukturellen Veränderungen eine ausgeprägte Corporate Social Responsibility und Vertrauen in die eigenen Mitarbeitenden. Ebenso wichtig sind aktives Employer Branding und gutes Storytelling, damit die eigenen Angebote intern und extern tatsächlich und in positiver Weise wahrgenommen werden. 

Commitment aller Mitarbeitenden 

Der Wille zur Umsetzung von New Work muss jedoch nicht nur bei der Unternehmensleitung, sondern bei allen Beteiligten vorhanden sein. Junge Mitarbeitende der Generationen Y und Z werden mehrheitlich keine Schwierigkeiten haben, New Work zu praktizieren. Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung im Job gehören zu ihren zentralen Arbeitswerten. Jedoch wird ein Teil der Mitarbeitenden bei der Realisierung von New Work auch Hilfestellungen – beispielsweise im Hinblick auf Selbstorganisation und den Umgang mit flexibler Arbeit – brauchen. Eine gute und konsistente Kommunikation zwischen der Führungs- und HR-Ebene sowie den Mitarbeitenden ist hier essenziell.

Politik für die Rahmenbedingungen der neuen Arbeitsweisen

In einem weiteren Sinne ist im Hinblick auf die Neugestaltung von Arbeit auch die Politik gefragt. Zu ihren Aufgaben gehört, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für New Work durch Wirtschafts- und Sozialreformen zu fördern und die Rahmenbedingungen von Arbeit zu modernisieren. Relevante Themen sind hier beispielsweise Diversity, die Aufhebung des Gender Pay Gaps oder Flexibilisierungen des Arbeitszeitgesetzes. Im politischen Tagesgeschäft spielen sie bisher eher am Rande eine Rolle.

New Work: ein Ausblick in die Zukunft

New Work is now. Und New Work ist die Zukunft. Mit der zunehmenden Digitalisierung wird die Bedeutung des Konzepts weiter steigen und damit den Unternehmen, die sich bereits frühzeitig mit dem Thema auseinandergesetzt haben, einen großen Vorsprung bescheren. Wer das neue Arbeiten dagegen für eine vorübergehende Erscheinung hält, läuft Gefahr, den richtigen Zeitpunkt für dringend notwendige Modernisierungsschritte zu verpassen. Doch nicht nur die Bedeutung von New Work wird zunehmen. Auch ist anzunehmen, dass es neue Formen, Ausprägungen und Trends geben wird. Hier liegt es an den Unternehmen, passende Ansätze für die eigene Organisation zu wählen, zu implementieren und auch in Zukunft agil auf die Veränderungen der Arbeitswelt zu reagieren. 

  

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