Unbewusste Vorurteile: Warum Diversität nicht automatisch Inklusivität bedeutet

Lilly Miner
von LILLY MINER
Unbewusste Vorurteile am Arbeitsplatz

In der globalisierten Welt von heute spielen Vielfalt und Inklusion eine wichtige Rolle. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: Beides vereinfacht den kulturellen Austausch, fördert die Harmonie zwischen Kulturen und macht das Leben aller Menschen bereichernder. Für Unternehmen können diese sozialen Werte aber auch finanzielle Vorteile mit sich bringen.

Untersuchungen von McKinsey haben gezeigt, dass Unternehmen mit einer vielfältigen Belegschaft klar im Vorteil sind, wenn es darum geht, Top-Talente einzustellen, bessere Ergebnisse für ihre Kundschaft zu erzielen und in einem immer wettbewerbsorientierteren Markt innovativ zu bleiben. Dabei wird jedoch häufig außen vor gelassen, dass sich diese Vorteile nicht ganz von allein ergeben. Vielfalt führt nicht automatisch zu besseren Teams und Ergebnissen und ist kein Garant für Integration und Wohlbefinden am Arbeitsplatz. Um dies zu erreichen, müssen engagierte Unternehmen zunächst ein heikles Thema angehen: unbewusste Vorurteile.
 

Unbewusste Vorurteile am Arbeitsplatz erkennen und überwinden

Unbewusste Vorurteile (auch bekannt unter dem englischen Ausdruck unconscious bias) sind Stereotype, die eine voreingenommene Person unbeabsichtigt auf eine Gruppe von Menschen projiziert. Sie unterscheiden sich von bewussten oder expliziten Vorurteilen, bei denen es sich um vorurteilsbehaftete Ansichten über bestimmte Gruppen handelt, die offen zugegeben oder geglaubt werden. In beiden Fällen können diese Vorurteile sowohl positive als auch negative Stereotype umfassen (im Extremfall sogar rassistische Ansichten).

Wenn man sich nicht mit ihr auseinandersetzt, kann diese Voreingenommenheit eine dysfunktionale und exklusive Arbeitskultur schaffen. Es ist zwar kaum möglich, unbewusste Vorurteile vollständig abzulegen, aber sie können durchaus kontrolliert und minimiert werden, sodass Teams eine inklusivere Umgebung schaffen können, die gegenseitigen Respekt und Innovation fördert.

1. Vermeiden Sie unbewusste Vorurteile während des Einstellungsverfahrens

Obwohl viele HR-Abteilungen und HR-Manager*innen bei der Zusammenstellung von Teams bereits auf Diversität achten, kann es trotzdem sein, dass Vorurteile das Einstellungsverfahren beeinträchtigen – zum Beispiel aufgrund der Wortwahl in der Stellenausschreibungen. Untersuchungen der University of Waterloo haben gezeigt, dass männlich kodierte Begriffe wie „wettbewerbsfähig“ und „entschlossen“ qualifizierte weibliche Fachkräfte davon abhalten können, sich zu bewerben.

Um sicherzustellen, dass Stellenanzeigen bestimmte Bewerber*innen nicht ausschließen, sollten Sie Ihre Stellenanzeigen mit einem besonderen Augenmerk auf gendergerechte Sprache verfassen. Wenn Sie verhindern möchten, dass Vorurteile in die Bewertung von Bewerber*innen einfließen, sollten Sie Lebensläufe anonymisiert durchsehen und standardisierte Interviewformate verwenden. Indem sich Unternehmen bewusst sind, wie Voreingenommenheit in die Bewertung von Fachkräften einfließen kann, können sie diese Probleme verhindern, bevor sie entstehen.

2. Identifizieren Sie bestehende unbewusste Vorurteile in Ihren Teams und sprechen Sie diese konstruktiv an

Selbst unter den besten Umständen kann es in heterogenen Teams zu Konflikten kommen, die durch unterschiedliche Hintergründe und Sichtweisen entstehen. Laut der Harvard Business Review kann es mitunter schwierig sein, unbewusste Voreingenommenheit vollständig zu überwinden. Gute Teamleiter*innen können diese Vorurteile jedoch begrenzen:

  • Um sicherzustellen, dass alle die gleichen Weiterentwicklungsmöglichkeiten haben, sollten Besprechungen nur im Büro zu Zeiten angesetzt werden, an denen alle teilnehmen können – nicht abseits des Arbeitsplatzes oder zu ungewöhnlichen Zeiten.
  • Während der Besprechungen können die Teamleiter*innen auf den Gesprächsfluss achten, indem sie ruhigere Teammitglieder miteinbeziehen und sicherstellen, dass nicht eine Person das gesamte Meeting dominiert.
  • Wenn Sie Entscheidungen über Beförderungen oder Beurteilungen treffen, konzentrieren Sie sich auf nachweisbare Leistungen und nicht auf diffuses „Potenzial“, das durch die eigene Subjektivität und Vorurteile beeinflusst sein kann.
  • Ermutigen Sie Teammitglieder, darüber nachzudenken, wie ihre eigenen Erfahrungen ihre Sicht auf die Welt in positiver und negativer Hinsicht prägen. In manchen Fällen kann auch die Teilnahme an Angeboten wie dem Project Implicit der Universität Harvard hilfreich sein, um die eigenen Vorurteile zu erkennen.

 3. Fördern Sie Inklusivität durch psychologische Sicherheit

Im weitesten Sinne ist psychologische Sicherheit (nach dem englischen Begriff der psychological safety) der Glaube oder das Gefühl, dass Mitarbeitende nicht bestraft oder beleidigt werden, wenn sie ihre Meinung sagen oder bei der Arbeit ganz sie selbst sind. Während unbewusste Vorurteile unser Leben in vielerlei Hinsicht beeinflussen, ist es nicht immer einfach, zu erkennen, wie sich diese konkret äußern. Auch ist es nicht immer vorteilhaft, jedes einzelne Teammitglied auf seine Schwachstellen hinzuweisen. In diesem Fall kann es für Mitarbeitende hilfreich sein, unbewusste Vorurteile zu überwinden, indem sie sich auf die psychologische Sicherheit des gesamten Teams konzentrieren.

Für Führungskräfte und Teamleiter*innen kann dies mithilfe einfacher Regeln erreicht werden, die oft vernachlässigt werden:

  • Stellen Sie sicher, dass sich in Meetings alle gegenseitig aktiv zuhören und gehen Sie mit gutem Beispiel voran.
  • Ermutigen Sie Ihre Teammitglieder, sich mit Feedback oder Bedenken an Sie zu wenden. Stellen Sie aber gleichzeitig sicher, dass diese Meetings für alle Mitarbeitenden gleich ablaufen.
  • Konzentrieren Sie sich auf positive Leistungen und vermeiden Sie individuelle Schuldzuweisungen, um Vertrauen und Zusammenarbeit im Team zu stärken.

4. Überwinden Sie unbewusste Vorurteile für eine bessere Kommunikation und mehr Innovation

Wir bei Babbel für Unternehmen sind der festen Überzeugung, dass Diversität uns stärker macht – vor allem, wenn wir die Sprache unserer Mitmenschen lernen (sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne). Auch wenn es wichtig ist, auf Vielfalt zu setzen und unterschiedliche Sichtweisen zu fördern, bleibt die Überwindung unbewusster Vorurteile ein Hindernis – selbst für die engagiertesten Teams.

 Indem Unternehmen Inklusivität und Sicherheit als essentielle Werte fördern, können sie Diversität zu mehr als nur einem Aushängeschild machen. Stattdessen können sie ein erfüllendes Arbeitsumfeld schaffen, in denen viele Stimmen und Talente zusammenkommen – was zu mehr Innovationen führt, die die Welt zu einem besseren Ort machen.

Lilly Miner, Spezialistin für interne Kommunikation und Unternehmenskultur

 

Lilly beschäftigt sich mit diversen Lernmethoden. Ob Blended Learning oder online – besonders wichtig ist ihr die Motivation der Lernenden.

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